Deutscher Stiftertag 2016

Vom 11.5. – 13.5.2016 fand in Leipzig der Deutsche Stiftertag statt. Die Stiftung Zenit war auch anwesend.

Das diesjährige Schwerpunktthema des Stiftungstages war der demographische Wandel. In den Vorträgen und Seminaren wurden sowohl Fakten vorgestellt, als auch gute Projekte von Stiftungen zu diesem Thema.

So wurde z.B. im Vortrag von Prof. Straubhaar, Hamburg, mit Mythen zur Bevölkerungsentwicklung aufgeräumt. Um zwei Beispiele zu nennen: Die Menschen in Deutschland werden immer älter und das wird auch die Zuwanderung nicht verändern. Bei 80 Millionen Bürgern ist zum einen ein Anteil von einer Million zusätzliche Bürger natürlich rein statistisch kaum erwähnenswert, zudem diese Personen ebenso alt werden und auch die weiteren Familienmitglieder nicht nur junge Personen sein werden. Aber ist diese Schrumpfung wirklich das Ende des Wohlstands und der guten Perspektive? Wenn wir – wie vorhergesagt – bis 2060 ohne Zuwanderung auf 74 Mio. Bürger schrumpfen sollten, dann haben wir genauso viele Bürger wie 1950. Ein weiterer Mythos ist der drohende Fachkräftemangel, der inzwischen nicht mehr in Frage gestellt wird. Wenn die erwartete Effizienzsteigerung durch Digitalisierung in dem Maße eintritt, wie sie bisher eingetreten ist, würde die schrumpfende Anzahl an Mitarbeitern durch eben jene Steigerung an Effizienz voll kompensiert. Dennoch haben wir ernstzunehmende Probleme am Arbeitsmarkt wie z.B. die mangelnde Erwerbsbeteiligung gut ausgebildeter Frauen oder Migranten oder das für die gestiegene Lebenserwartung zu frühe Renteneintrittsalter. Resümee der interessanten Veranstaltung: Stiftungen sollten gegen einfache Antworten auf komplexe Fragen eintreten und den Mut haben, zu hinterfragen.

Doch auch andere Themen prägen einen Stiftertag, wie z.B. eine Anlagenpolitik mit ethischen Mitteln. Bei ethisch nachhaltigem Investieren fließen neben finanziellen Gesichtspunkten soziale, ökologische und weitere Gesichtspunkte mit ein. Immer stärker werden diese Aspekte auch bei den klassischen Ratingagenturen in Betracht gezogen, weil sie sich bei langfristiger Betrachtung als bessere Prognosekriterien gezeigt haben, als andere angeblich so harte Kriterien. Investmentberater haben bereits 2007 die drohenden Probleme Griechenlands aus Aspekten wie „Korruption“, „niedrige Bildungsausgaben“ oder „schlechte Infrastruktur“ vorhergesagt.

In einer sehr lebhaften Diskussion, die von der BMW Stiftung veranstaltet wurde, ging es um das nötige Maß an Dynamik, Fehlerfreudigkeit und Probehandeln in Unternehmen. Nur solche Unternehmen werden langfristig die Kunden zufrieden stellen können, die sich selbst immer wieder in Frage stellen und Dienstleistungen und Produkte in Überarbeitung bringen. Bei allen optimierten Prozessen, ist deren Infragestellen natürlich manchmal eine Überwindung. Dazu ist auch eine Kultur nötig, die vom Humor geprägt ist, sonst droht eine große Bitternis und Kraftlosigkeit aus der Rückmeldung, dass erneut Veränderungen nötig sind.

Stiftungen ist es teilweise inhärent, dass sie einer gewissen Trägheit unterliegen. Die Stiftungsaufsicht ist eher formal, wenn keine externen Fördermittel benötigt werden, wird auch oft nicht transparent gemacht, an welcher Stelle investiert wird.

Die Ausrichtung der Stiftung Zenit, die in Selbstverpflichtung eine wirkungsorientierte Berichterstattung vornimmt, ist hier sicher auf einem richtigen Weg!

Natürlich gab es viele weitere Themen und auch informelle Austausche, die den Stiftertag attraktiv gemacht haben.

Der Besuch der Kanzlerin zur Eröffnung des Stiftertags sei hier nur am Rande erwähnt.

Auch ein Austausch im Rahmen einer Abendveranstaltung mit Rainer Eppelmann, evangelischer Pfarrer, DDR Widerstandskämpfer und letzter Verteidigungs- und einziger Abrüstungsminister der DDR, war von besonderer Intensität und Authentizität. Diese Phase der zweiten deutschen Demokratie darf uns nicht in Vergessenheit geraten.

Es wird sicher wieder mal die Gelegenheit sein, an einem weiteren Stiftertag teilzunehmen. Darauf freuen wir uns!

Andrea Stratmann, Vorständin